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Wissenslücken

“Ich weiß, dass ich nichts weiß…” Das jedenfalls wusste schon Sokrates. Doch wer ist Sokrates eigentlich? Und was meint er damit? Ein Philosophiestudent müsste das ganz sicher wissen. Und jeder halbwegs gebildete Mensch auch. Doch was ist Bildung überhaupt? Fragen über Fragen, deren Antworten eines erfordern: Wissen. Wie ist es aber um das Wissen in Zeiten von Twitter, Social Media und Google bestellt?

Google ist ein riesiger Wissensspeicher, der alles weiß. Manchmal wiege auch ich mich in der relativen Sicherheit, per Mausklick alles erforderliche Wissen abrufen zu können. Hausarbeiten an Universitäten werden mal schnell per “copy and paste” aus dem Wissensspeicher “Google” gezogen - bloß nicht nachdenken und sich eine eigene Meinung bilden. Wer sich auf Google verlässt, der wird über kurz oder lang von der eigenen Fähigkeit zur kritischen Reflexion und zur Meinungsbildung verlassen. Mit den guten alten Büchern ist es eigentlich nicht anders. Man muss nur wissen, wo etwas steht. Als es die gedruckten Wissensspeicher noch nicht gab, mussten sich die Menschen ganz schön viele Dinge merken.

Aber damals hatten sie ja noch nicht so viel Wissen angehäuft. Heute werden wir von einer regelrechten Wissensflut heimgesucht. Und die erfordert den altbekannten Mut zur Lücke. Nur Wissenslücken gibt niemand so gerne zu. Dafür gibt es schließlich Google… Wir können uns beruhigt zurücklehnen, denn man muss nicht einmal mehr wissen, wo etwas steht. Das erledigt getrost die Suchmaschine. Ob die Fundstücke aus dem Netz dann richtig sind, erfordert wiederum Wissen. Und da beißt sich die Katze in den virtuellen Schwanz.

Wie hat es Sarah Kuttner so schön beschrieben: “Das oblatendünne Eis des Zweidrittelwissens”. Das trifft es ganz gut. Das ist der Stand der Dinge. Finde ich. Mal sehen, wie lange das Eis noch hält. Ob Sokrates das wüsste?

Spießig, spießiger, am spießigsten?

Dem gemeinen Deutschen wird bisweilen nachgesagt, er sei spießig.  Im Ausland auf diese  Charaktereigenschaft mancher Mitbürger angesprochen, fielen meine Erklärungen meist recht holprig aus. Heute habe ich DIE optimale Erklärung gefunden:  eine überaus plastische Darstellung dessen, worunter ich mir einen Spießer vorstelle.

Sehen Sie selbst:

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Ein Bild, das Bände spricht: Wackeldackel mit Klorolle...

Mit Zuckerbrot und Peitsche…

PTitelblatt der "Nowaja Gaseta" nach dem Mord an Ana Politkowskajaolitkowskaja-Prozess geht in neue Runde

“Eine Aufklärung des Mordes an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja ist auch knapp drei Jahre nach der Tat nicht in Sicht. Zwar stehen auf Geheiß des Obersten Gerichts Russlands von diesem Mittwoch an in Moskau noch einmal die vier Angeklagten vor Gericht, die im Februar vom Verdacht der Beihilfe zum Mord freigesprochen wurden. Neue Beweise gegen sie gibt es aber nicht. Nach Einschätzung von Beobachtern dient das neue Verfahren nur dem politischen Ziel, angesichts des internationalen Drucks auf Moskau „Sündenböcke“ zu bestrafen. Die wahren Täter dieses politischen Mordes vom Oktober 2006 sind weiter auf freiem Fuß.” Diese Meldung kam heute über dpa.

Mit Zuckerbrot und Peitsche - so hat der jetzige russische Premier Wladimir Putin Journalisten und Medienvertreter in seiner Amtszeit als Präsident behandelt, um sie zu lenken. Das Lernen durch Belohnen und Bestrafen war schon im alten Rom ein gängiges Mittel, Menschen durch Lob oder Tadel gefügig zu machen. Journalisten werden mit der „Peitsche“ bedroht, wenn sie sich regimekritisch äußern, „Zuckerbrot“ garantiert man ihnen, wenn sie das schreiben, senden oder berichten, was dem Kreml nicht schadet. Diese Selbstzensur, die „Schere im Kopf“ wird belohnt.

Anna Politkowskaja hat sich nicht beugen lassen. Sie wurde für ihre kritische Tschetschenien-Berichterstattung vielfach bestraft, verfolgt und lediglich im Ausland erhielt sie ein Zuckerbrot. Doch was nützt all jene Anerkennung, was nützen Preise, wenn die Arbeit im eigenen Land zur lebensgefährlichen Bedrohung wird? Wenn demokratische Werte, für die eine freie Presse unabkömmlich ist, mit Füßen getreten werden: Anna Politkowskaja und ihre im Januar dieses Jahres ermordete erst 25-jährige Kollegin Anastassija Baburowa sind traurige Beispiele hierfür. Die kremlkritische „Nowaja Gaseta“ hat seit 1999 bereits drei Kollegen verloren. Chefredakteur Dimitrij Muratow befürchtet, dass die Hintergründe der Ermordung Politkowskajas niemals aufgedeckt werden, wenn die hohe Politik dies nicht will.

Fakt ist, dass Putin seit seiner Machtübernahme im Jahr 1999 systematisch Medien unter die staatlliche Kontrolle gebracht hat. Mit dem westlichen Verständnis von Pressefreiheit hat diese Vorgehensweise wenig zu tun. Ob man diese Vorgehensweise jedoch „à la russe“ als frei und demokratisch bezeichnen kann, ist ebenso fraglich. Schließlich ist die Zahl der inhaftierten,
bedrohten und getöteten Journalisten seit Putins Amtsamtritt erheblich gestiegen, es gibt kaum freie Medien in der Russischen Föderation. So forderte die im britischen Exil lebende russische Journalistin Elena Tregubova die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel vor deren Treffen mit Putin im Mai 2007 in einem offen Brief auf: „Davon, ob Sie jetzt stumm bleiben, hängt das reale Leben realer Menschen ab. [...] Wenn Sie jetzt nicht wirklich etwas tun, dann sind Sie für das Blutvergießen des Kreml in Russland mitverantwortlich.

Tregubova war nach der Veröffentlichung ihres kritischen Buches „Die Mutanten des Kreml“ nur knapp einem Mordanschlag entgangen. Es ist fraglich, ob sich die Situation der russischen Medien und speziell der russischen Journalisten unter der Regentschaft von Dimitrij Medwedew verändern oder gar verbessern wird. Medwedew war Putins Wunschnachfolger. Es bleibt abzuwarten, ob der Mann aus St. Petersburg einen anderen Weg einschlagen wird als sein Vordenker und -lenker Wladimir Putin. Es scheint nicht so zu sein. Leider. Das zeigen auch die jüngsten Morde an an der tschetschenischen Menschenrechtlerin Natalia Estemirowa und dem Anwalt Stanislaw Markelow. Seither hat sich der Druck auf die Behörden erhöht. Weil Politkowskaja, Estemirowa und Markelow und andere immer wieder den „Staatsterror“ in der russischen Teilrepublik Tschetschenien anprangerten, stehen die Sicherheitsbehörden bis heute im Verdacht, in die politischen Morde verwickelt zu sein.

Hitzeno(w)elle

Heute musste ich an meinen ersten Blogeintrag denken. In der  “Nebelnovelle” verhüllt sich Konstanz in einem eisigen grauen Schleier. Heute strahlt die Stadt in vollem Glanz. Sommer. Hitze. Warme Brise. Winter und Sommer in Konstanz erscheinen wirklich wie Nacht und Tag, wie Eis und Feuer. Ich mag gar nicht daran denken, dass sich irgendwann wieder der graue Schleier über Rhein und Bodensee legt, Schänzle und Co. in Lethargie versinken. Eigentlich finde ich diese Schreiberei rund um das Thema Wetter langweilig, denn meistens endet sie in Jammerei. Soweit soll es in diesem Blogeintrag nicht kommen. Aber wenn’s sonst kein Thema gibt, muss eben das Wetter herhalten. Sommer im Sommerloch? Irgendwie logisch. Ich freue mich einfach über das schöne Sonnenwetter - mehr gibt’s da nicht zu schreiben…

Protest auf spanisch…

Einige Impressionen zeitgenössischer spanischer “Wandmalerei” - aufgenommen in Granada und Sevilla.

Wir fahr’n fahr’n fahr’n auf der Autobahn…

Irgendwie fühlte ich mich gestern an “Kraftwerk” erinnert,  als ich den Bodenseeradweg entlangradelte. Zähfließender Verkehr, Stop & Go und auch kleine Unfälle standen auf dem Programm. Wäre der Radweg mehrspurig, könnte man ihn glatt mit einer Autobahn verwechseln. Es gibt die Sonntagsfahrer, die geradezu über den Asphalt kriechen, dann gibt’s die Ausflügler, die an jeder Ecke Halt machen, um eine Panoramaansicht des Bodensees zu erhaschen und dann gibt’s die Raser. Und da gibt’s rücksichtslose und rücksichtsvolle. Eine Klingel hat ja einen bestimmten Grund. Und eine Bremse auch. Wenn man die beiden Dinge richtig betätigt, kann nicht mehr viel schief gehen. Natürlich erntet man so manchen bösen Blick oder Kommentar, weil man mit seiner Klingel die Feiertagsruhe eines Sonntagsfahrers stört. Schön ist er ja, der Bodenseeradweg. Und weil er so schön ist, ist er besonders voll. Wie eine Autobahn. Ob ich mir diese Fahrt an einem Sonntag nochmal antue, weiß ich noch nicht…

Regensplitter

Es gibt Tage im Leben eines Radfahrers, die man ganz schnell wieder vergessen möchte… Heute morgen ist so ein Tag. Regen in Strömen, Weltuntergangsstimmung - perfekte Bedingungen! Wenn dann allerdings der ohnehin schon nasse Weg von Glassplittern des letzten Partywochenendes gepflastert wird, ist das Fahren auf zwei Rädern gar nicht mehr schön.  Das verräterische Knirschen unter den Reifen vermiest an einem regnerischen Morgen die Stimmung komplett. Wenn am Ende dann noch ein Plattfuß dabei herauskommt, ist das ein richtig guter Start in den Tag. In diesem Sinne: Auf in den Regen!!!

Fremde oder Freunde?

Es ist erstaunlich, wie gastfreundlich Touristen in deutschen Städten und Gemeinden empfangen werden. Der Gast, der aus aller Herren Länder in unseren Gefilden weilt und sich ein Bild von Land und Leuten verschaffen möchte, muss ein extrem verzerrtes Weltbild von deutscher Gastfreundlichkeit haben, empfängt man die vorzugsweise solventen Besucher doch in Fremdenzimmern. Ab und an würde es manch geschäftstüchtigem Hotelier nicht schaden, über diese trivialen Dinge zu reflektieren. So ist es ein englischer Gast schließlich gewohnt, in „guest rooms“ empfangen zu werden. In Frankreich residiert der Tourist in „chambres d’hôtes“. Es erübrigt sich wohl zu erwähnen, dass man dort in „Gästezimmern“ übernachten darf. Es ist nicht gesagt, dass jene deutschen Fremdenzimmer unfreundlich oder nicht einladend sind. Manchmal macht nur einfach der Ton die Musik…

Schlangenmenschen

guedo-5104-stinknatter_21Dem gemeinen deutschen Bürger wird nachgesagt, er sei gewissen- und tugendhaft. Zu seinen Lieblingstugenden gehören vor allem Recht und Ordnung. Besonders im Ausland ist man dieser nicht ganz abwegigen Meinung. Doch darin, was den Deutschen im Innersten zusammenhält, brodelt es gewaltig: Steht man als rechtschaffener Bürger im Supermarkt oder Kaufhaus des Vertrauens an der Kasse in einer Schlange und wartet ungeduldig darauf, endlich den Geldbeutel zücken zu können, ruft der Kassierer: “Sie dürfen sich bittschön auch an dieser Kasse anstellen”. In Sekundenschnelle stürmen all jene Schlangenmenschen an die neu eröffnete Kasse, die zuvor am Ende der nicht enden wollenden Schlange gestanden haben.

Da lobe ich mir ein Land, das sich - um bei den Vorurteilen zu bleiben - nicht gerade durch Recht und Ordnung auszeichnet. Unsere europäischen Nachbarn in Spanien verfügen über ein, ich möchte fast sagen perfektes “Schlangensystem”. An den Kassen des Landes wird penibel darauf geachtet, dass genau die Leute in geordneten Bahnen an die neu eröffnete Kasse gehen dürfen, die in der Mitte der anderen Schlange gewartet haben. In Reih und Glied, einer nach dem anderen. Auf den Postämtern werden gar Nummern gezogen, die nacheinander aufgerufen werden. Schlechte Stimmung oder Wut auf Drängler ersticken die südländischen Nachbarn im Keim. Dort heißt es nicht “die Letzen werden die Ersten sein”.

Recht und Ordnung kann also durchaus Sinn machen. Dem Deutschland des Rechts und der Ordnung stünde es sicher auch nicht schlecht, wenn es einmal das tun würde, was sich komplett dem Bild des “typischen” Deutschen widersetzt. Nur Mut, es ist gar nicht so schwer. Die Spanier machen es vor: No por mucho madrugar amanece más temprano”. Was so viel bedeutet wie “Eile allein tut es nicht”. Oder im übertragenen Sinne: Recht und Ordnung in Maßen, aber dann in den richtigen.

Retter in der Not

4464618Anfang des Jahres hat RTL sein Fließband wieder angekurbelt und ist gerade dabei, den sechsten deutschen Superstar zu produzieren. Formvollendet wird er sein, jedoch mit kleinen Ecken und Kanten. Die Macher haben dazu gelernt und thematisieren gesellschaftliche Probleme wie Mobbing. Das kommt gut an. Schließlich braucht der kritische Zuschauer in Zeiten der allgemeinen Verunsicherung einen Retter in der Not. Warum also nicht RTL, warum nicht Dieter Bohlen? Wer kann, der kann. So nehmen die von ihrem jungen Leben “gezeichneten” Kandidaten vollmediatisierten Gesangsunterricht und schütten ihre Herzen tonnenweise vor laufender Kamera aus. So werden sowohl die Massen vor den Fernsehern als auch die Teilnehmer der Castingshow getäuscht,  da RTL mit standardisierten Vergnügungen Illusionen schafft, die von den tatsächlichen Bedürfnissen ablenken und so eine relative Zufriedenheit im kapitalistisch gebeutelten System erzeugen und aufrecht erhalten – zumindest am Samstagabend. Einfach betrachtet könnte man sagen, dass Publikum und Kandidaten für “dumm” verkauft werden. Auf Wirkungen wird Wert gelegt, nicht auf Inhalte. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Kandidaten derart offenherzig ihr Innerstes nach außen kehren - maximaler Einsatz mit maximaler Wirkung.

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